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Sonntag, 1. April 2007

Lieder-Krieg um Knut

Es hat doch nun tatsächlich der kommerzielle Krieg um DAS Knut-Lied begonnen! Hat man bisher geglaubt, der Song von Kitty aus Köpenick, produziert von der DEAG, hätte sich bereits zur offiziell anerkannten Standardhymne gemausert, so legt die Konkurrenz nun kräftig nach. Universal bringt "Knut geht's gut" heraus, ebenfalls von einem Schulkind eingesungen, und statt auf myvideo.de natürlich auf der Konkurrenzplattform clipfish.de gefeatured.





Quelle: Clipfish.de

Im Gegensatz zu Kittys recht orginellem Werk ist hier die Anlehnung an das Schnappi-Lied unüberhörbar. Und auch das zweite Lied, das auf der Single dabei sein wird und schon jetzt auf der Homepage der Produktion angehört werden kann, bedient sich an einem bekannten Vorbild, dem Pipi-Langstrumpf-Lied. Überhaupt, man hat den Eindruck, hier wurden einfach mal zwei Songs mit der heißen Nadel gestrickt, um ja noch schnell auf den Hype um Eisbärchen Knut aufspringen zu können. Und dabei hat man sich alles schön marketinggerecht durchkonstruiert, die Anleihen an bekannte Melodiemuster sind bewusst gewollt, um das Produkt auf den Kunden vertraut und bekömmlich wirken zu lassen.

Freut man sich nun auf einen spannenden Gesangswettstreit um Knut, muss man jedoch mit Erstaunen feststellen, dass die Universal-Produktion tatsächlich bereits vom Berliner Zoo als offizieller Song abgesegnet wurde! Links unten auf der CD prangt das grüne Zoologo. Presseankündigungen zufolge war es aber anscheinend der Zoo selbst, der Universal schon vor der Veröffentlichung des Liedes den Auftrag dafür erteilte, während Kittys Lied eher fremder Initiative entsprang.

Aber hat der einzigartige Knut wirklich solch ein billiges, austauschbares Marketingprodukt verdient? Einfach nur Schnappi, kurz mit einem weißen Bärenpelz überzogen? Selbst der Text ist weitaus weniger geistreich als bei Kitty, schwafelt rum, wirkt unorganisch, Hauptsache es reimt sich. Und auch wenn im Video die junge Sängerin mit ihren braunen Kulleraugen ab und zu in die Kamera schaut, den Spaß, den Kitty mit ihrem Lied hatte, scheint sie nicht zu haben.

Andererseits: In der gestrigen "Wetten dass..??"-Sendung wurde zum Thema Knut Kittys Lied gespielt. Clipfish.de gehört zu RTL, myvideo.de zu Sat.1. Werden sich die Fernsehsender nun in Sachen Knut-Musik zu einer Seite bekennen müssen?

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Freitag, 9. März 2007

Warum Cicero ein guter Kandidat für den Grand-Prix ist

Gestern abend hat ja der Swing-Sänger Roger Cicero (36) den Vorentscheid für den Eurovision Song Contest gewonnen. Eigentlich überraschend, weil man dachte, dass die Konkurrenzband Monrose, die ja durch die Casting-Show Popstars in der letzten Zeit insbesondere bei den televotingwilligen jungen Zuschauern sehr populär gemacht worden ist, dass die wie schon vor drei Jahren Stefan Raabs Castingshowkandidat Max sich den Sieg locker mit nach Hause hätte nehmen können. Und das dachten wohl auch die drei Sängerinnen selber, denn sie freuten sich nach der Ergebnisverkündung nicht etwa wie sonst bei DSDS oder Popstars "wie selbstverständlich" für den Konkurrenten (selbst Daniel Lopes hatte damals in DSDS 1 ja noch anstandsweise für Daniel Küblböck geklatscht, als einer von ihnen beiden raus musste und er es schließlich war), sondern waren sichtlich enttäuscht und erst einmal mit sich selbst beschäftigt.

Aber es ist wohl auch gut so. Denn der Monrose-Song "Even heaven cries" wäre, obwohl er heute viel besser dargebracht wurde als in früheren Auftritten, doch etwas zu monoton und einschläfernd gewesen (Hasenclinic berichtete), eher eine Ballade für die einsamen Stunden als für so ein Großereignis. Da kann Monrose vielleicht noch von Glück reden, dass sie an einer höchstwahrscheinlichen Blamage als quasi "etablierte" Band mit dann unerwartet wenig Punkten gerade noch vorbeigeschrammt sind. Von Gracia nämlich, die vor zwei Jahren den letzten Platz machte, hat man in der Zwischenzeit auch kaum noch was gehört.

Nun aber endlich zu den Gründen, warum Ciceros Song echte Chancen beim ESC haben kann:

Zunächst einmal ist das Swing. Manche mögen behaupten, das sei ein "Nischenmusikstil" wie vor einem Jahr Texas Lightning mit ihrer Country-Musik, aber da ist diesen Leuten offensichtlich entgangen, wie häufig heutzutage in der Fernsehwerbung Swing vorkommt! Das hat seinen guten Grund, denn Swing ist irgendwie verbindend, etwas für alle, vom Klassik-Fan über den Schlager-Fan bis hin zum pop- und rockfanatischen Jugendlichen. Beweis siehe Robby Williams. Swing ist feierlich, emotional, edel und trotzdem cool und fetzig, witzig, groovig obendrein, vereint also viele begehrte Eigenschaften auf einem Fleck. Will sich vielleicht nicht jeder stundenlang anhören, ab und zu aber, und vor allem als Krönung einer großen Show, da geht fast jedem das Herz auf! In Osteuropa ist darüberhinaus Jazz sowieso in.

Dann der Text und das Thema: "Frauen regier'n die Welt." Da schmunzelt doch jeder in der Familie, obs der Ehemann ist, die Frau selbst, die Tochter, der Sohn mit seiner Freundin. Im Liedtext ist jede Stufe von frühester Jugend bis zum "Nerz-Zeitalter" abgedeckt, und mit so einem Seitenhieb wie "Wie sie dich anseh'n - Und schon öffnen sich Tasche und Herz" ist's auch keine plumpe Anbiederung an das andere Geschlecht allein. Vor allem ist der Inhalt schlichtweg hochaktuell: in Deutschland herrscht eine Kanzlerin, in den USA und in Frankreich stehen Regierungscheffinen in den Startlöchern, in weiteren Ländern ist auch schon längst eine Frauen an der Macht. Und ein wenig steckt in dem Lied schon auch die Hoffnung, dass es mit Frauen an der Macht eine bessere Welt geben könnte, in Zeiten von Krieg und Terror also eine wirklich positive politische Botschaft obendrein. Dass das Geschlechterthema beim Publikum gut ankommt, hat übrigens Cicero selbst mit seinem Platinalbum vom letzten Jahr zu ebendieser Thematik bewiesen. Und was die sprachliche Verständlichkeit angeht: Wenn selbst in Moskau die Fans von Tokio Hotel ihre Liedtexte begeistert mitsingen können...

Ein gefährlicher Punkt ist allerdings Roger Cicero selbst. Beim Vorentscheid war er extremst aufgeregt, sein Gesang im Vergleich zur Aufnahme trotz solider Technik schlichtweg zu farblos, da fehlte plötzlich der gewohnte Witz und sogar etwas der Groove. Da gibts sicherlich andere, die weit besser die Sau rauslassen können. Zudem klang auch das Arrangement dort im Gegensatz zum Original erschreckend flach und unabgestuft, und das kann bei einem Jazz-Stück den Unterschied zwischen "atemberaubend" und "langweilig" ausmachen! Bleibt also zu hoffen, dass sich die Interpreten am 12. Mai in Helsinki geschickt genug anstellen...

Donnerstag, 1. März 2007

Daniel Küblböck

Daniel Küblböck gilt ja als Sinnbild für das talentlose Medienprodukt schlechthin. Ist DSDS das Symbol geworden für die Künstlichkeit und Kommerzorientiertheit der heutigen Musikindustrie, so ist Daniel Küblböck das Symbol von DSDS. Jeder Dorfschullehrer, Zahntechniker oder Y-Prominente, der "DSDS" vielleicht noch nicht einmal buchstabieren kann, weiß ein Lied von Küblböck zu singen - sofern man natürlich seine Lieder als "Gesang" bezeichnen kann, versteht sich. Dabei sind sie hier an den falschen geraten. Denn jeder, der bei TV-Total am Montag den nach dem x-ten Imagewechsel mittlerweile gereiften Küblböck beim Singen von Jazz-Klassikern gehört hat, wird spätestens da festgestellt haben: Der Gesang ist zwar immer noch verbesserungswürdig, obschon tönetreffmäßig sauberer als 99,9% des BuViSoCo-Geträllers, aber was der Kerl an Musikalität an den Tag legt, ist einfach unglaublich. Von wegen talentfreier Körmit, der höchstens zum Comedy-Sternchen taugt. Küblböck gehört in die Musik, daran besteht absolut kein Zweifel! Er hat wirklich die Fähigkeit, seine Gefühle in Musik auszudrücken, und zwar in gut anhörbarem Zustand. Da werden sich die beiläufigen Klischee-Zitierer wohl ein anderes Spottbild suchen müssen, bzw., falls sie dieses Neu-Debüt Küblböcks nicht mitbekommen haben, sich erstmal einige Zeit lang lächerlich machen.

Samstag, 17. Februar 2007

Soll Monrose wirklich zum Grand-Prix?

Das vor kurzem bei "Popstars" auf Pro7 gecastete Mädchen-Gesangstrio Monrose möchte mit ihrem Lied "Even heaven cries" beim Eurovision Song Contest 2007 (ESC, früher: Grand Prix Eurovision de la Chanson) auftreten, und wird sich im März im deutschen Vorentscheid gegen zwei andere, weitaus weniger populäre Künstler beweisen müssen. Aufgrund ihrer Bekanntheit durch die Castingshow, und aufgrund ihrer großen, fanatischen jungen Fangemeinschaft, die bei Telefonvotings keine Kosten scheut, hat sie gute Chancen, im Mai dann auch wirklich Deutschland in Helsinki zu vertreten.

Aber Deutschland ist bei diesem Wettbewerb schon oft durch seine populären Künstler, ob sie nun als qualitativ hochwertig eingestuft worden sind oder nicht, letzen Endes ernüchtert worden. Im Grunde fast die gesamten letzten Jahre hinweg, sei es Gracia, Max oder Texas Lightning. Am besten weg kam noch Stefan Raab mit dem 5. Platz im Jahre 2000, das war aber ein abgefahrenes, humoristisches Show-Spektakel, genauso wie eigentlich auch alle ESC-Sieger der Vorjahre. Der Song "Even heaven cries" jedoch ist eher ein leises, filigranes Gebilde mit teilweise ungewöhnlichen Harmonien, die von den offensichtlichen Vorlieben der meisten europäischen ESC-Telefonvoter ein ganzes Stück weit entfernt sind. Mehr noch, er könnte an jenem Maiabend gar drohen, unter allen anderen Beiträgen als "Was war das denn?"-Nummer zu versinken, denn die leisen Töne werden überdies auch noch nicht immer überzeugend präsentiert. Allein die "indisch" anmutende Choreographie mit den ganzen langsamen Arm- und Handumschlängelungen wirkt noch etwas zu ungeschmeidig und "eingeübt". Auch der Gesang an sich kam bei manchen bisherigen Auftritten einfach zu schwach und farblos rüber, auch wenn es ein leiser Song ist. Und wenn mit Farbe, dann auch nicht unbedingt mit der richtigen. Die Sängerin Mandy etwa geht gerne mal aus sich heraus und macht einen auf Christina Aguilera, aber man wird einfach nicht den Eindruck los, dass das eher der - zugegebenermaßen technisch gute - Auftritt einer Verkäuferin auf der Automesse oder die einer Animatorin beim Beachvolleyball im Feriencamp ist. Der Ausdruck stimmt einfach nicht - und passt nicht zum Stil der beiden anderen Sängerinnen Senna und Bahar, die eher mit gedeckterer Stimmung agieren.

Überhaupt, ob Mandy die richtige Sängerin für Monrose ist? Damals, bei der Finalsendung von "Popstars", wurde nämlich per Telefonvoting zwischen ihr und einer anderen Kandidatin, Romina, als drittes und letztes hinzukommendes Bandmitglied von Monrose entschieden. Romina war eine routinierte Sängerin, vielleicht nicht ganz so extrovertiert und strahlend wie Mandy, vielleicht für einige auch nicht ganz so attraktiv. Beide mussten ebenjenes "Even heaven cries" jeweils einmal mit den beiden anderen singen, und Romina sang das Lied tatsächlich so, dass die ernsthafte Stimmung des Songs rüberkam. Mandy wiederum sang lauter, kräftiger und strahlender, man hatte aber schon da das Gefühl, dass da möglicherweise eine Tendenz bestand, sich gegenüber den anderen beiden Mädchen profilieren, mit der eigenen Präsentation vor den anderen hervorstechen zu wollen. Die Zuschauer wählten Mandy, weil sie eben so ist, wie sie ist. Ob das aber auch gut für Monrose's Zukunft sein wird? Vielleicht existieren diese Unstimmigkeiten auch nur auf musikalischer Ebene, und persönlich kommt man hervorragend aus, da darf sich keinesfalls gleich einbilden, die Leute "durchschaut" zu haben.

Doch wie gut oder schlecht sich die Band auch entwickeln mag, ob sie mit diesem Song tatsächlich den ESC anständig meistern können, wird eine spannende Frage mit vielleicht überraschender Antwort bleiben.

Freitag, 9. Februar 2007

Wir sind Helden vs. Juli vs. Silbermond - Ein Vergleich

Die deutschsprachige Popmusik hat in den letzten Jahren unter anderem drei besondere Prachtrösser hervorgebracht, die aufgrund ihrer Besetzung und ihrem Charakter gut zu vergleichen sind: Die "4 Instrumentalisten + 1 Sängerin"-Bands Wir sind Helden, Juli und Silbermond. Alle drei haben Preise gewonnen und singen in ausverkauften Hallen. Alle drei werden als authentisch und integer wahrgenommen, wenn sie von all den ernsten Themen singen, die (nicht nur) die Jugend bewegen. Keine lauten, provokanten Skandalschreie, aber auch kein seichter Kitsch. Durchaus zu vollstem Instrumentalklang fähig, aber als Ausgleich stets die sanfte, schlichte Stimme der Sängerin.

Wir sind Helden ist quasi das Urgestein dieser Bands. Sie sind schon etwas frecher als die zwei anderen, ihr erster Erfolg war ja auch der gesellschaftskritische Song "Guten Tag". Doch immer bleibt dabei auch so eine Art humorvolle Note. Thematische Quelle ist hier stets die Sängerin und Texterin Judith Holfelder von der Tann, die vor Gründung der Band auch so etwas Ähnliches gemacht hat, solo mit Gitarre und veröffentlicht im heutzutage vergriffenen, damals kaum auf Echo stoßenden Album "Kamikazefliege". Neben dem frechem Humor, immer als Nebenerscheinung von gesellschaftskritischen Themen, gibts natürlich auch die sensiblen Töne, das wiederum immer gepaart mit den intimen, emotionalen Themen. Die Texte sind schon recht geistreich gemacht, vielleicht literarisch schon zu gut, dass manche sie für "unsinig" halten. Ein wichtiger Punkt bei allen dreien dieser deutsch singenden Bands ist übrigens, dass sie nicht nur über Liebe, sondern auch Freundschaft oder die Herausforderungen des Leben singen, ein fast gewichtigerer Teil im Leben (nicht nur) der jungen Zuhörer. Und das zeichnet sie nochmals vor der bisherigen deutschen Herz-Schmerz-Schlagermusik und der ganzen englischen "I love you so"-Abteilung aus.



Juli nimmt altersmäßig die Mittelposition unter den drei Bands ein. Während WsH manchmal schon ins Kabarett gehende Züge aufweist, ist diese Tendenz den fünf von Juli sicherlich eher fern. Die Stimme der Sängerin Eva Briegel klingt von allen dreien am schlichtesten, die gesamte Musik ist von der Thematik her wohl auch die schlichteste, dadurch aber eben auch die ungekünstelteste. Auffällig ist, dass besonders hier ein eingängiger Refrain immer von großer Dominanz ist, kaum fängt das Stück an, kommt er schon, und wird dann auch oft genug wiederholt. Kommerziell sind sie wohl auch die kooperativsten von den dreien, lassen sich von diversen Internettplattformen (studivz, pop24) beispielsweise einspannen. Wie gesagt, eben auch die ungekünstelteste Band und dadurch nicht umbedingt uneindringlicher.

Video: Juli - Wir beide

Bleibt Silbermond, die jüngste Musikgruppe. Die Sängerin Stephanie Kloß wirkt paradoxerweise fast am reifestesten von allen dreien. Sie hat einen weitaus ausdrucksbetonteren Gesangsstil als Briegel, was aber nicht heißt, dass Juli von der tatsächlichen Ausdruckskraft schwächer sein müsste, eher: anders. Auch ist die Musik trotz des jüngeren Alters durchaus "schwerer" als die Musik der beiden anderen Gruppen, der Debutsong Symphonie beispielsweise ist viel komplizierter im Ausdruck und weniger eingängig als z. B. "Geile Zeit" von Juli, und auch darauffolgende Publikationen schließen sich an diesen tragenderen Charakter mutig an, anstatt zur Abwechslung gleich mal einen Gegensatz schaffen zu wollen. Bisheriger Höhepunkt der Kunstfertigkeit von Silbermond mag der Song "Das Beste" sein. Die Souveränität, mit der hier der Rhythmus behandelt wird, sprich, wie man sich über konventionelle rhythmische Modelle von musikalischen Betonungen und Schwerpunkten zu Gunsten eines umso natürlicher und authentischer klingenden Textes hinwegsetzt, sie ist herausragend. Und ebenso mutig, ein so offensichtliches Liebesbekenntnis auszusprechen, was extrem nah an der Grenze ist, zu viel des Guten zu sein, aber es dann doch durch die Art der Präsentation grad noch nicht ist - umso reizvoller. Insgesamt betrachtet aber besteht gerade bei Silbermond eine Tendenz, vielleicht zu sehr in den Bereich der blanken Liebesschwüre zu driften.